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Karl von Gerok

Seid eingedenk!

Seid eingedenk! o teure Kinderschar,
vergiß der Stunde nicht,
da du gekniet am festlichen Altar
im heil'gen Morgenlicht!
Da fromm  geneigt mit glüh'nden Wangen
den Segen du aufs Haupt empfangen. –
Seid eingedenk!

Seid eingedenk! Ein gut Bekenntnis klang
aus eurem Kindermund;
Gott hat's gehört, o stehet lebenslang
Auf diesem Felsengrund!
Was ihr in göttlich schönen Stunden
so laut bezeugt, so tief empfunden, –
Seid eingedenk!

Seid eingedenk! wie euch der gute Hirt
so treu bei Namen rief,
daß keins hinfort, aus seiner Hut verirrt,
zur Wüste sich verlief;
er hat die Schäflein all gezählet,
oh, daß dereinst nicht eines fehlet:
seid eingedenk!

Seid eingedenk! Wenn die Versuchung naht
und Welt und Sünde lockt,
wenn ungewiß auf blumenreichem Pfad
der Fuß des Pilgers stockt,
dann denkt, was ihr so fest gelobet,
dann sorgt, daß ihr die Treu' erprobet. –
Seid eingedenk!

Seid eingedenk des hohen Vaterlands,
das eurer Wallfahrt Ziel;
verscherzet nicht den ew'gen Ehrenkranz
um Tand und Kinderspiel!
Der Krone, die am Ziele blinket,
der Palme, die dem Sieger winket,
Seid eingedenk!

Seid eingedenk! O großes Hirtenherz,
du hast sie dir erkauft;
du blutetest um sie im Todesschmerz,
auf dich sind sie getauft;
wir lassen sie in deinen Händen,
du wollst das gute Werk vollenden. –
Seid eingedenk!

(eingesandt von Michael Gratz)

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