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August Kopisch

Frankfurt am Main

Die besten seiner Helden lagen in Sachsen tot,
Da flohe Karolus Magnus der Kaiser in großer Not.

»Laßt eine Furt uns suchen längshin am schönen Main,
O weh, da liegt ein Nebel, der Feind ist hinterdrein!«

Nun betete Kaiser Karol auf Knien an seinem Speer:
Da teilte sich der Nebel, eine Hirschin ging daher.

Die führte ihre Jungen hinüber zum andern Rand:
So machte Gott den Franken die rechte Furt bekannt.

Hinüber zogen alle wie Israel durchs Meer,
Die Sachsen aber fanden im Nebel die Furt nicht mehr.

Da schlug der Kaiser Karol mit seinem Speer den Sand:
»Die Stätte sei hinfüro der Franken Furt genannt.«

Er kam da bald zurücke mit neuer Heeresmacht,
Damit er der Sachsen Lande zu seinem Reich gebracht.

Doch dort am Main erpranget nun eine werte Stadt,
Die reich ist aller Güter und edle Bürger hat.

Es ward da mancher Kaiser gekrönt mit Karols Kron'
Und feierlich gesetzet auf goldgestickten Thron.

Da briet man ganze Rinder, es strömte der Fülle Horn,
Es schöpfte jeder Arme Wein sich aus reichem Born.

Im Römer füllte dem Kaiser der Erzschenk den Pokal:
Mit Kaiserbildern wurden bedeckt alle Wänd' im Saal.

Bedeckt sind alle Wände bis an den letzten Saum:
Kein neuer Herrscher fände zu seinem Bildnis Raum.

Der erste deutsche Kaiser gab Namen dieser Stadt,
Die auch den letzten Kaiser in ihr gekrönet hat.

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