mumag > Gedichtauswahl > Rilke
mehr Trauer- und Todesgedichte

Rainer Maria Rilke

Der Tod des Dichters

Er lag. Sein aufgestelltes Antlitz war
Bleich und verweigernd in den steilen Kissen,
Seitdem die Welt und dieses von ihr Wissen,
Von seinen Sinnen abgerissen,
Zurückfiel an das teilnahmslose Jahr.

Die, so ihn leben sahen, wußten nicht,
Wie sehr er eines war mit allem diesen,
Denn dieses: diese Tiefen, diese Wiesen
Und diese Wasser waren sein Gesicht.

O sein Gesicht war diese ganze Weite,
Die jtzt noch zu ihm will und um ihn wirbt;
Und seine Maske, die nun bang verstirbt,
Ist zart und offen wie die Innenseite
Von einer Frucht, die an der Luft verdirbt.

Quelle:
„Vom Reichtum der deutschen Seele – Ein Hausbuch deutscher Lyrik“
hrsg. v. Georg Virnsberg, verlegt bei Dollheimer, Leipzig, 1928

Seitenanfang / top


Werbung amazon: Trauer- und Todesgedichte -
Gedichtinterpretationen - Gedichtanalysen -
Rilke-Gedichte



Impressum - Datenschutz