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August Schnezler

Vom Mummelsee im Schwarzwald

4. - Einkehr

Was peitschet und schnaubet und billt und kracht,
Und pfeifet und jauchzt durch die finstere Nacht?

Es rasseln die wütenden Jäger herbei
Mit schmetternden Hörnern, mit Hurrageschrei.

Und drunten am Wasser hält stille der Troß,
Da schwingt sich ein jeglicher Reiter vom Roß.

Es springen die Hunde hinab in die Flut,
Zu löschen des Durstes verzehrende Glut.

Rings lagern die Jäger im Kreise herum,
Es tönt aus der Tiefe das dumpfe Gebrumm.

Hell scheinet der Mond aus den Tannen hervor,
Und teilet die Wolken und lüftet den Flor.

Da tauchen mildlächelnde Mädchen empor,
Aus plätschernden Wellen, aus säuselndem Rohr;

Hoch schwingen sie Kannen mit funkelndem Wein
Und schenken in silberne Becher ihn ein.

»Hier, trinket ihr Herren, wir bringen's euch zu !
Süß schmeckt auf der Jagd solch ein Schlückchen in Ruh!«

Aus trinken die Jäger: »Wir danken gar schön!
Nun gehts wieder frisch über Täler und Höhn.«

Es peitschet und gellet und billt und kracht,
Es pfeifet und jauchzet und braust durch die Nacht.

Da tauchen die Nixen zurück in ihr Schloß,
Und ferne verklinget der wütende Troß.

Quelle:
August Schnezler „Gedichte“, 2. Auflage,
Creuzbauer und Kasper Verlag Karlsruhe, 1846


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