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August Schnezler

Vom Mummelsee im Schwarzwald

6. - Die Hochzeit

Bei Nacht ist ein Klingen und Singen im See,
Es stutzen im Forste die Hirsch' und die Reh',
Die Vögelein schütteln sich munter.
Es schallet und hallet ein lustiger Lärm,
Da tauchen die Mummler in buntem Geschwärm
Die Fluten herauf und hinunter.

Heut hat ja ihr König die niedlichste Fee,
Die schöne Merlina, genommen zur Eh',
Dies will er aufs Herrlichste feiern;
Nun steiget das lustige Völkchen an's Land,
Im blauen, mit Silber gestickten Gewand,
Die Dämchen in silbernen Schleiern.

Der König, die Krone von Schilf auf dem Haupt,
Geformt aus Beryll, mit Smaragden umlaubt,
Im Mantel von Purpur und Sammet;
Die Königin, strahlend von Schönheit und Glanz,
Im goldenen Haar den saphirenen Kranz,
Der von Amphitrite noch stammet.

Nun pflücken sie Blumen und grünendes Reis,
Und bauen gar zierlich am Ufer im Kreis
Sich Lauben mit Tischen und Bänken;
Dann setzen sich Alle zum köstlichen Mahl,
Es kreist in der Runde der Muschelpokal,
Gefüllt mit den feinsten Getränken.

Es blasen aus Flöten von Binsen und Rohr
Viel herrliche Stücklein die Musiker vor,
Und laden die Gäste zum Tanze ;
Nun singt es und springt es und schwingt es und saust,
Daß selber der See nun melodisch erbraust,
Zu seinem umwirbelnden Kranze.

Die Geister der Nachbarschaft fliegen herbei :
Die wütenden Jäger mit Hurrageschrei,
Die Gnomen, Koboldchen und Zwerge,
Und mischen sich alle im schönsten Verein
Zur lustigen Tafel, zum tanzenden Reih'n,
Es hallen im Echo die Berge.

So schallet und hallet die Hochzeit am See,
Da wird es dem lieblichen Bräutchen so weh,
Sie kann nicht die Landluft ertragen;
»Eins!« rufet die Glocke vom Kirchlein im Tal,
Und über der Geister unendliche Zahl
Die Wasser, die brausenden, schlagen.

Quelle:
August Schnezler „Gedichte“, 2. Auflage,
Creuzbauer und Kasper Verlag Karlsruhe, 1846


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