mumag > Gedichtauswahl > Storm
mehr Herbstgedichte

Theodor Storm

Herbstnachmittag

Halbschläfrig sitz ich im Lehnstuhl;
Vor der Tür auf dem Treppenstein
Schwatzen die Mädchen und schauen
In den hellen Sonnenschein.
Die Braunen, das sind meine Schwestern,
Die Blond' ist die Liebste meln.
Sie nähen und stricken und sticken,
Als sollte schon Hochzeit sein. –
Von fern das Kichern und Plaudern
Und um mich her die Ruh,
In den Lüften ein Schwirren und Summen –
Mir fallen die Augen zu.
Und als ich wieder erwache,
Ist alles still und tot,
Und durch die Fensterscheiben
Schimmert das Abendrot.
Die Mädchen sitzen wieder
Am Tisch im stummen Verein;
Und legen zur Seite die Nadeln
Vor dem blendenden Abendschein.

(eingesandt von Karl Hecker)

Seitenanfang / top


Werbung amazon: Herbstgedichte -
Gedichtinterpretationen - Gedichtanalysen -
Gedichte von Theodor Storm



Impressum - Datenschutz