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Ludwig Jacobowski

Hymnus der Liebe

Höre mich, Ewiger, höre mich, Ewiger, Allerbarmer,
der du vom Dunkel der Tiefe emporwächst
in des Äthers leuchtender Sphäre,
Ewiger, der du mit deiner Alliebe
die ganze wogende Menschheitsflut umarmst,
wo ist die Liebe, die Menschenliebe?

Ewiger, gib sie uns wieder die Hohe, die Reine,
daß sie mit erbarmender Seele, mit milden,
doch mächtigen Händen die klaffenden Wunden schließt,
und in der bangen Seele des Einzelnen wieder
entfache den sterbenden Funken göttlicher Liebe,
der ihm im starren Herzen einst wohnte,
als die grauen Gespenster der Selbstsucht und Gier
noch nicht regierten die Seele der Menschen.

Wüßt' ich, o Ewiger, wo ich sie fände, die
erhabene Göttin, siehe, ich nähme noch einmal
das hehre Martyrium des Genius,
griff noch einmal mit kühner Hand an die Fackel des Ewigen
und schleuderte Funken hernieder heiligen Feuers voll.

Und zermalmte strafend die gewaltige Himmelswölbung
mir die glühende Stirn, mir den trotzigen Nacken,
dennoch rüttelt' ich wieder an die zitternde Veste der Welt,
kämpfte gigantisch wider die wimmernden Geister der Nacht,
holte aus ihren Schattenarmen die Liebe,
reichte mit sterbenden Händen hernieder die Hohe,
die Hohe der jauchzenden Menschheit!

Säh ich vernichtet alle Gespenster des Staubes,
säh ich auf seligem Antlitz den ersten Schimmer
erwachenden Weltenglücks und Elysium,
siehe, ich stürbe, stürbe, stürbe so gern!

aus „Vom Geschlecht der Promethiden“

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