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Wilhelm Müller

Frühlingseinzug

 Die Fenster auf, die Herzen auf!
   Geschwinde! Geschwinde!
Der alte Winter will heraus,
Er trippelt ängstlich durch das Haus,
Er windet bang sich in der Brust,
Und kramt zusammen seinen Wust
   Geschwinde, geschwinde.

 Die Fenster auf, die Herzen auf!
   Geschwinde! Geschwinde!
Er spürt den Frühling vor dem Tor,
Der will ihn zupfen bei dem Ohr,
Ihn zausen an dem weißen Bart
Nach solcher wilden Buben Art,
   Geschwinde, geschwinde.

 Die Fenster auf, die Herzen auf!
   Geschwinde! Geschwinde!
Der Frühling pocht und klopft ja schon –
Horcht, horcht, es ist sein lieber Ton!
Er pocht und klopfet, was er kann,
Mit kleinen Blumenknospen an,
   Geschwinde, geschwinde.

 Die Fenster auf, die Herzen auf!
   Geschwinde! Geschwinde!
Und wenn ihr noch nicht öffnen wollt,
Er hat viel Dienerschaft im Sold,
Die ruft er sich zur Hülfe her,
Und pocht und klopfet immer mehr,
   Geschwinde, geschwinde.

 Die Fenster auf, die Herzen auf!
   Geschwinde! Geschwinde!
Es kommt der Junker Morgenwind,
Ein pausebackig rotes Kind,
Und bläst, daß alles klingt und klirrt,
Bis seinem Herrn geöffnet wird,
   Geschwinde, geschwinde.

 Die Fenster auf, die Herzen auf!
   Geschwinde! Geschwinde!
Es kommt der Ritter Sonnenschein,
Der bricht mit goldnen Lanzen ein,
Der sanfte Schmeichler Blütenhauch
Schleicht durch die engsten Ritzen auch,
   Geschwinde, geschwinde.

 Die Fenster auf, die Herzen auf!
   Geschwinde! Geschwinde!
Zum Angriff schlägt die Nachtigall,
Und horch, und horch, ein Widerhall,
Ein Widerhall aus meiner Brust!
Herein, herein, du Frühlingslust,
   Geschwinde, geschwinde!

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